DER KÖRPER ALS MEDIUM, DER KÖRPER ALS ERINNERUNG
Nach zwei großformatigen Gruppenarbeiten – ENSEMBLE (2023) und ATTEMPTS OF TOGETHERNESS (2025) – in denen Jenny Beyer kollektive Entscheidungsprozesse choreografisch untersuchte, richtet sie den Fokus nun radikal nach innen: auf ein Solo. Ausgangspunkt ist die Biografie ihres 2004 verstorbenen Großvaters Walter „Ali“ Beyer: Im Hamburger Arbeitermilieu kommunistisch geprägt und früh politisiert, war er nach 1933 im Widerstand aktiv, wurde inhaftiert und überlebte nur dank der Solidarität anderer Häftlinge. Freund*innen und Familienmitglieder wurden verhaftet, einige ermordet.
ZURÜCK ZU ALI ist ein dokumentarisches Tanzsolo – eine choreografische Untersuchung darüber, wie politische Entscheidung sich verkörpert. Das Stück verbindet persönliche Erinnerung mit historischer Recherche und fragt, welchen Weg eine Familiengeschichte durch den Körper einer Enkelin und Performerin nimmt. Jenny Beyer arbeitet auf zwei Ebenen: einer dokumentarischen – mit Interviews, Selbstzeugnissen, transkribierten Erinnerungen, Anklageschriften und historischen Dokumenten – und einer zutiefst persönlichen – der Beziehung zwischen Enkelin und Großvater.
Jenny Beyer verknüpft biografische Spurensuche mit der Frage, was die Widerstandsgeschichte ihres Großvaters heute bedeutet – für sie selbst und für eine Gegenwart, in der rechte Bewegungen historische Verantwortung nicht nur relativieren, sondern nationalsozialistische Ideologien rhetorisch erneuern und politisch reaktivieren. Ihr Körper wird zur Erinnerungsfläche und zum Austragungsort zentraler Fragen: Was ist erzählenswert? Warum erzähle ich diese Geschichte – und nicht die meines anderen Opas, der Nazi war? Was befähigt Menschen zum Widerstand? Wo beginnt die Verantwortung der Gegenwart?
Eine Audiodeskription, die über Kopfhörer gehört werden kann, macht die Arbeit einem blinden und sehbehinderten Publikum zugänglich. Die Arbeit wird begleitet von OFFENEN STUDIOS, die Einblicke in den Entwicklungsprozess ermöglichen und entstand im Rahmen von »Shared Leadership in Dance«, einem Zusammenschluss der Choreograph*innen Jenny Beyer, Antje Pfundtner in Gesellschaft und Ursina Tossi.






Tanz/Choreographie/Konzept/Audiodiskription
Jenny Beyer
Dramaturgie
Anne Kersting
Igor Dobričić
Musik
Jetzmann
Videoinstallation und -technik und Bühne
Malwine Mangold-Volk
künstlerische Assistenz
Anngret Schultze, Ari Adamski
Produktion
Kerstin Henky
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Hark Empen
Kostüm
Gloria Brillowska
Licht
Henning Eggers
Strategie und Vernetzung
Pamela Goroncy
Dialogpartner*innen
Verein Kinder des Widerstandes
Recherchepartner*innen
Chris Leuenberger
Mark-Christoph Klee
Orda Beyer
Beratung Audiodiskription
Ursina Tossi
Accessberatung
Etenesh Lufta
Audiodiskription
Jenny Beyer
Premiere
25. März 2026 | Kampnagel Hamburg
weitere Vorstellungen/Gastspiele
26.-28. März 2023 | Kampnagel Hamburg
23.04.2026, Ein Abend für Esther Bejarano, Uebel&Gefährlich
02., 03. Oktober 2026, Fabrik Potsdam
ZURÜCK ZU ALI ist eine Produktion von Jenny Beyer in Koproduktion mit Kampnagel Hamburg, gefördert durch die durch die Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg im Rahmen von Shared Leadership in Dance (SLiD). SLiD ist ein Commitment zur Kollaboration sowie zur Teilung von Wissen, Ressourcen und Arbeit im Tanz, initiiert von den drei Choreograph*innen Jenny Beyer, Antje Pfundtner in Gesellschaft (APiG), Ursina Tossi und ihren Teams.